Gewinn- und Verlustrechnung in der Bilanz: Beispiel und Vorlage

Mittwoch, 28. September 2022 | 0 Kommentare

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Die Pflicht zur doppelten Buchführung ruft und Sie müssen mit Ihrem Jahresabschluss auch die Gewinn- und Verlustrechnung erstellen? Lesen Sie hier, wie eine Gewinn- und Verlustrechnung aufgebaut ist und welche Vorschriften gelten – inklusive Beispiel, Formel und Vorlage.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Gewinn- und Verlustrechnung: Was ist das?
  2. Aufbau
  3. Formel & Beispiel
  4. Vorlage
  5. Steuer
  6. Gewinn- und Verlustrechnung einfach erstellen mit GetMyInvoices

 

Die häufigsten Fragen zur Gewinn- und Verlustrechnung auf einen Blick:

Wann muss ich eine Gewinn- und Verlustrechnung erstellen?

Die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) gehört laut § 242 III HGB zusammen mit der Bilanz zum Jahresabschluss. Demnach müssen alle Kaufleute, die einen Jahresabschluss erstellen und zur doppelten Buchführung verpflichtet sind, auch eine GuV erstellen.

Was hat die Gewinn- und Verlustrechnung mit der Bilanz zu tun?

Das Gewinn- und Verlustkonto ist ein Unterkonto des Eigenkapitalkontos und damit Teil der Bilanz. Das GuV-Konto befindet sich demnach auf der Passivseite der Bilanz.

 

Jahresabschluss, Bilanz, Gewinnermittlung, Bruttogewinn, Gesamtkosten: Buchhaltung kann schon verwirrend sein. Doch kennen Sie zumindest die Grundlagen, profitieren Sie von vielen Vorteilen. Schließlich sind Jahresabschlüsse, Bilanzen sowie die Gewinn- und Verlustrechnung in einigen Fällen nicht nur obligatorisch. Sie geben Ihnen als Gründer auch einen detaillierten Überblick über die aktuelle finanzielle Lage Ihres Unternehmens.

Was ist die Gewinn- und Verlustrechnung?

Die Gewinn- und Verlustrechnung (kurz: GuV) stellt alle Aufwendungen und Erträge Ihres Unternehmens innerhalb einer Wirtschaftsperiode gegenüber. Zweck ist es, die Übersicht Ihrer Geschäftstätigkeit zu wahren und Ihren unternehmerischen Jahresgewinn oder -verlust zu ermitteln. Sind Ihre Erträge größer als Ihre Aufwendungen, haben Sie einen Gewinn erwirtschaftet – umgekehrt machen Sie Verluste. Laut § 242 III HGB Absatz 3 bilden „die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung den Jahresabschluss”. Demnach ist sie für alle Kaufleute obligatorisch, die zur doppelten Buchhaltung verpflichtet sind und muss mindestens einmal jährlich erstellt und ausgewiesen werden. Aufgrund der hohen Transparenz entscheiden sich viele Unternehmer sogar dazu, die GuV monatlich zu erstellen.  

Gliederung und Aufbau der Gewinn- und Verlustrechnung

Für den Aufbau der GuV stehen Ihnen zwei unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung: die Kontoform und die Staffelform.

Hinweis:
Gemäß § 275 Abs. 1 HGB sind Kapitalgesellschaften zur Staffelform verpflichtet. Bei Kleinstkapitalgesellschaften findet diese in vereinfachter Form Anwendung.

GuV Aufbau in Kontoform

Die GuV in Kontenform ist wie ein herkömmliches T-Konto mit zwei Spalten (Soll/Haben) aufgebaut, wobei sich Aufwendungen im Soll und Erträge im Haben befinden. Einnahmen sind beispielsweise Umsatzerlöse, Zuschüsse und Zinserträge. Kosten können Personalkosten, Reparaturen, Abschreibungen oder Wareneinsatz darstellen. Am Ende der Wirtschaftsperiode muss die Summe der GuV – wie bei jedem anderen Konto auch – saldiert (ausgeglichen) werden.

Aufbau einer Gewinn- und Verlustrechnung in Kontenform.

GuV Aufbau in Staffelform

Verwenden Sie die Staffelform, müssen Sie alle Aufwendungen und Erträge untereinander in einer Liste aufführen. Halten Sie sich für die Gliederung am besten an die Vorgaben des § 275 Abs. 1 HGB. Bei der Staffelform gibt es wiederum zwei Varianten, die zum Ergebnis führen.

Das Gesamtkostenverfahren

Das Gesamtkostenverfahren wird in § 275 Abs. 2 HGB anhand der einzelnen Positionen beschrieben. Beim Gesamtkostenverfahren

  • …ist der Umsatz einer Rechnungsperiode die Berechnungsgrundlage.
  • …werden alle Kosten den Erlösen gegenübergestellt.
  • …erfolgt die Aufteilung der Aufwendungen nach Kostenarten (Materialkosten, Personalkosten usw.).
  • …wird auch der Bestand berücksichtigt: Bestandserhöhungen stehen bei den Erträgen und Bestandsminderungen bei den Aufwendungen.

Das Umsatzkostenverfahren

Auch das Umsatzkostenverfahren und dessen Aufbau ist in § 275 Abs. 3 HGB festgelegt. Bei diesem Verfahren

  • …ist ebenfalls der Umsatz einer Rechnungsperiode die Berechnungsgrundlage.
  • …werden nur die Kosten berücksichtigt, die für die verkauften Waren und Dienstleistungen angefallen sind (Umsatzkosten).
  • …werden Aufwendungen danach unterschieden, wo sie entstanden sind. Beispielsweise werden Kosten des Vertriebs von den Kosten der Lagerhaltung unterschieden.
Hinweis:
Aufgrund der hohen Transparenz und Aussagekraft hat sich in der Praxis das Umsatzkostenverfahren durchgesetzt. Das Gesamtkostenverfahren ist allerdings deutlich einfacher!

Brutto- oder Nettoprinzip

Unabhängig von der Form müssen Sie zudem auch unterscheiden, ob Sie das Netto- oder Bruttoprinzip anwenden. Je nach Prinzip dürfen Sie Ihre Erträge miteinander saldieren oder eben nicht:

  • Bruttoprinzip: Es darf nicht saldiert werden – Erträge und Aufwendungen werden einzeln aufgelistet.
  • Nettoprinzip: Es darf saldiert werden – Erträge und Aufwendungen werden miteinander verrechnet.

Bei der Erstellung der GuV müssen Sie zwischen dem Brutto- und Nettoprinzip unterscheiden.

Gewinn- und Verlustrechnung einfach erklärt: Formel und Beispiel

Das Gesamtkosten- und Umsatzkostenverfahren lässt sich am besten an einem einfachen Beispiel erklären.

Beispiel und Formel GuV – Gesamtkostenverfahren

Nehmen wir an, Sie produzieren Kleidung und es werden 10.000 T-Shirts angefertigt. Ein T-Shirt hat einen Verkaufspreis von 30 Euro und pro Artikel fallen Herstellungskosten in Höhe von acht Euro an. 8.000 Shirts können Sie direkt verkaufen, die restlichen 2.000 Shirts bleiben als Bestand in Ihrem Lager. Zudem fallen für die Produktion indirekte Kosten in Höhe von 6.000 Euro an, beispielsweise Kosten der Buchhaltung und der Personalabteilung. Die Formel des Gesamtkostenverfahrens lautet wie folgt:

Umsatzerlöse: 240.000 Euro (30 Euro pro Shirt x 8.000 Absatz)

+ Bestandserhöhung 16.000 Euro (acht Euro x 2.000 Shirts)
– Aufwand 86.000 Euro (acht Euro x 10.000 Shirts + 6.000 Euro)

= Betriebsergebnis (EBIT) 170.000 Euro

 

Beispiel und Formel GuV – Umsatzkostenverfahren

Beim Umsatzkostenverfahren wiederum gestaltet sich das Beispiel folgendermaßen:

Umsatzerlöse: 240.000 Euro (30 Euro pro Shirt x 8.000 Absatz)

– Herstellungskosten des Umsatzes: 64.000 Euro (acht Euro x 8.000 Shirts)
= Bruttogewinn vom Umsatz: 176.000

– sonstiger Aufwand: 6.000 Euro

= Betriebsergebnis (EBIT): 170.000 Euro

 

Gewinn- und Verlustrechnung Vorlage

Damit beim Erstellen Ihrer GuV auch garantiert nichts schief geht, finden Sie hier eine kostenlose GuV-Vorlage zum Download.

Gewinn- und Verlustrechnung

Gratis-Download: GuV-Vorlage:

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Gewinn- und Verlustrechnung für die Steuer

Beim Gesetzgeber steht für die Besteuerung Ihres Unternehmensgewinns die Bilanz im Mittelpunkt. Doch auch die GuV liefert wichtige Grundlagen. Schließlich zeigt sie alle Geschäftstätigkeiten einer Wirtschaftsperiode im Detail auf. Dank ihr ist die Gewinnermittlung im Rahmen der doppelten Buchführung wirklich nachvollziehbar. Daher ist es wichtig, die GuV besonders sorgfältig zu erstellen und Fehler zu vermeiden.

Gewinn- und Verlustrechnung ganz einfach erstellen mit GetMyInvoices

Ausgaben, Aufwand, Kosten und Ertrag – schwirrt Ihnen der Kopf? GetMyInvoices hilft Ihnen, den Unterschied besser zu verstehen. Das Beste: Im Grunde müssen Sie sich darüber keine Gedanken mehr machen. Die Software sammelt alle Rechnungen an einem Ort und ordnet sie automatisch Ihrer Buchhaltung zu. So einfach ist das!

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